Maol-Cu


Shane O'Neill's Burg stand an den Ufern des Lough Neagh in Ulster, prächtig und weithin sichtbar. Die Burg war ein beeindruckend großer Komplex mit mehreren Gebäuden: für die Herrschaft, für das Gesinde und für die Gäste - wie es sich gehörte für einen vom Stamm der Ulsterkönige. Shane O'Neill hatte wenig Feinde, und er brauchte keinen weiteren Schutz als die starken Mauern seiner Burg, den weiten See und das Land zwischen ihm und den anderen Fürsten. Viel Wald gehörte dazu, Wald mit Hirschen, Rehen, Wildschweinen und manchmal auch Wölfen.

Shane O'Neill liebte die Jagd. Dabei begleiteten ihn seine großen, starken Hunde, die in seinen eigenen Zwingern heranwuchsen; graue, zottelige Gesellen, deren Kraft und Mut es sogar mit dem selten vorkommenden Bären aufnehmen konnte. Trotzdem geriet Shane eines Tages in Gefahr: Er stürzte von einem glitschigen Hügel hinab direkt vor die Hauer eines massigen Keilers, und wäre nicht einer seiner Hunde bellend und knurrend auf den Keiler losgegangen und hätte ihn in die Flucht gejagt, dann wäre Shane wohl nie mehr nach Hause gekommen. Es handelte sich dabei um einen jungen Hund, der noch keinen Namen trug, und weil Shane einfach keinen Namen für ihn fand, der seiner Treue und seinem Mut hätte gerecht werden können, blieb er Zeit seines Lebens "Maol-Cu", "der graue Jagdhund".

Als er älter wurde, durfte er im Innern der Burg wohnen, aber er liebte es, an lauen Sommerabenden auf dem Turm zu stehen und über die Mauerkrone hinweg in die Wälder zu sehen, in denen er früher gejagt und gekämpft hatte. Als "Maol-Cu" starb, trauerte man um ihn wie um einen Menschen.

Jahre vergingen. Shane O'Neill wurde alt, durch Ulster strichen wilde Räuberbanden und niemand war sicher vor ihnen. Eines Nachts schreckten die Bewohner von Shane's Burg aus ihrem Schlaf auf: oben auf dem Turm heulte ein Wolfshund, laut und endlos wie vor der größten Gefahr. "Das klingt als wäre es Maol-Cu," stammelte O'Neill und lief auf den Turm. Der Turm aber war leer, und das Heulen verstummte, kaum dass er oben angekommen war. Sein Blick aber schweifte über die weite Umgebung, und plötzlich sah er, dass eine große Bande von Räubern sich seiner Burg näherte. Da die Burgbewohner nun aber alle wach und gewarnt waren, konnten sie die Angreifer besiegen und in die Flucht schlagen, und während der ganzen Zeit des Kampfes hörte man das furchtbare Geheul des unsichtbaren Wolfshundes. Von da an wurde die Burg nie mehr angegriffen. Heute liegt die Burg des Shane O'Neill als Ruine an den Ufern des Sees, und auch der Turm ist verfallen, nur sein Name ist geblieben: Wolfhound-Tower - der Wolfshundturm.